Theater besonders beachten

Traditionen, Gebote und Verbote

von Angelique Junkereit

Theaterhäuser sind fantasievolle Orte und besitzen eine jahrelange Tradition. Das Schauspiel ist eines der ältesten Tätigkeiten der Welt und dadurch haben sich einige Traditionen und Rituale angesammelt. Vor allem der Aberglaube spielt in den Theaterhäusern eine große Rolle und ist seit Jahrtausenden fest verankert. Doch sind alle Schauspieler abergläubig? Und welche Traditionen gibt es überhaupt? Wie sind sie entstanden? Und wieso gibt es im Theater immer Licht, das brennt?

Theater- der Inbegriff von Unterhaltung, Zusammenkommen, Familie und abtauchen in eine andere Welt. Das Theater hat eine lange Geschichte und viele Entwicklungen mitgemacht. So ist es kein Wunder, dass sich im Laufe der Zeit so einige Traditionen, Gebote, Verbote und Rituale angesammelt haben. Was man am besten auf gar keinen Fall tun sollte oder welche Gesetze sich mit der Zeit so angesammelt haben, erfahrt ihr hier in diesem Blog!

Sicher, Traditionen und Rituale gehören dazu und sind in den meisten Fällen auch sinnvoll. Sie sind etwas schönes und erzählen oft eine interessante Geschichte und verraten uns auch mehr über die
Menschen damals. Doch teilweise sind sie auch sehr speziell und merkwürdig. Teilweise auch ziemlich nervenaufreibend. Viele dieser Rituale und Traditionen sind nicht jedem geläufig und sind einigen zwar bekannt, aber wieso es sie gibt, das wissen die Menschen dann doch nicht. In diesem Sinne, lehnt euch entspannt zurück und kommt mit auf eine spannende Reise durch die Rituale und Sitten der Theatergeschichte!

First things first: 10 interessante Gesetze während der Proben, nach den Proben und bei der Premiere!
Grade Gesetze spielen seit jeher eine sehr entscheidende Rolle. Sie Regeln das Leben und schützen uns zugleich. Und als hätte man es nicht schon geahnt, gibt es natürlich auch im Theater die ein oder anderen Gesetze. Vor allem bei den Proben und bezüglich der Premiere gibt es so einige Dinge, worauf man achten sollte. Nicht alle davon sind vielleicht so nützlich für einen geregelten und entspannten Arbeitstag, aber einige sind auch sehr vorteilhaft. Diese Gesetze haben eine lange Tradition und oft werden sie aus ehrfurcht und respekt der damaligen Zeit respektiert und wertgeschätzt. Darum will ich hier keine Gesetze verwehren und fang auch direkt an!

    1. Probe nie am Sonntag!
    Warum es dieses Gesetz gibt und wie und vor allem wann es entstande ist,ist nicht ganz klar. Heute ist diese Vorschrift im Gesetzbuch festgelegt. Lediglich Veranstaltungen mit Publikum dürfen Sonntags stattfinden. Proben die ohne Publikum stattfinden, sind nicht erlaubt. Auch der Bühnenabbau ist auf den nächsten Tag zu verschieben. Damals vermutete man das Geister existieren und diese einen Tag brauchten, an dem sie das Theater für sich hatten. Dadurch wurde dieses Gesetz vermutlich mit etabliert.

Sünder und böse Geister scheuen das Licht der Welt
– Friedrich Schiller

    2. Ein Autor inszeniert niemals sein eigenes Stück!
    Schon seit jeher gilt dieses Gesetz am Theater. Mittlerweile wird es nicht mehr stark beachtet und viele Autoren inszenieren ihr Stück. Damals galt es jedoch als schlechtes Omen und brachte Pech über das Stück und die gesamte Aufführung.
    3. Wer stolpert geht den Schritt zurück und macht ihn nochmal.
    Auch hier ist nicht direkt bekannt woher das Gesetz kommt. Eine logische Erklärung wäre: Das man, um ein schlechtes Omen zu vermeiden, den Schritt wiederholt, wie wenn man beim Sturz zurück aufs Pferd/Fahrrad steigt und seine Angst gar nicht erst entstehen lässt. Grüße gehen raus an alle Stolperfallen, ihr kostet uns Zeit, Geduld und Nerven.

Welches Gesetz solltet ihr fürchten, wenn ihr tanzt, ohne dabei über die Eisenketten der anderen zu stolpern
– Khalil Gibran

    4. Iss und trinke nicht auf der Bühne, sofern es nicht zum Stück gehört.
    Zurückzuführen ist dieses Gesetz vermutlich auf das griechische Theater. Denn gerade in dieser Zeit waren die Götter sehr von Bedeutung. Essen und Trinken galt als unverschämt und respektlos gegenüber den Göttern. Im Verlauf der Jahre galt das essen und trinken auf der Bühne als verspottend, vor allem im Mittelalter, hatten nur wenig Menschen genug zu Essen und zu Trinken und somit war es unhöflich gegenüber diesen Menschen, wenn die Schauspieler auf der Bühne aßen oder tranken.
    5. Man muss sieben Durchläufe und davon drei Hauptproben durchführen.
    Warum und woher das Gesetz kommt ist nicht genau bekannt. Sicher ist, dass es sich um einen alten Aberglauben handelt und dass die, die sehr an den Aberglauben und an die Erfahrungen festhalten, die Regeln sehr stark befolgen. Doch wieso die 7? Schon in der Antike galt die Zahl sieben als eine Glückszahl. Denn die Zahl war, laut Erzählungen, eine von den Göttern bevorzugte Zahl. Im Mittelalter wurde die Zahl 7 von der christlichen Kirche weiter aufgenommen. Nach den damaligen Überzeugungen stand sie für die Vereinigung des Geistigen mit dem Irdischen. Die Zahl ergibt sich nämlich aus der 3 (Dreifaltigkeit) und der 4 (die vier Elemente). Somit lässt sich das Gesetz der sieben Durchläufe erklären.
    6. Herzlich Willkommen schlechte Generalprobe!
    Woher dieses Gesetz stammt weiß man nicht genau, aber mit der Zeit hat man festgestellt, dass die Premiere besser verläuft, wenn die Generalprobe vorher schlecht lief. Dies ist allgemein bekannt und wird seit jeher so angenommen. Eine pannenreiche Generalprobe gilt also als gutes Omen. Also ihr lieben lieber Patzen statt Glänzen, sonst wird’s mit der Premiere Mist.
    7. Lass den Vorhang wieder herunter, wenn du in den ersten Reihen einen rothaarigen Zuschauer entdeckst.
    Woher das Gesetz kommt ist nicht genauer bekannt. Man vermutet, dass es mit dem Mittelalter und Hexen zu tun hat. Denn eine Frau mit roten Haaren – im Mittelalter ein klares Kennzeichen einer Hexe. Rothaarige Frauen gelten als Verführerinnen. Tatsächlich existieren alte keltische Aufzeichnungen sowie Malereien, auf denen rothaarige Frauen als Hexen oder Zauberinnen dargestellt worden sind. Wobei gerade in England, Schottland und Irland ein besonders hoher Prozentsatz der Menschen rothaarig sind. Da man besonders im Mittelalter sehr gläubig war und Flüche glaubte, wurde besonders darauf geachtet, dass sich kein rothaariger Mensch auf den Straßen und besonders nicht im Theater aufhielt. Ob dieses Gesetz heute noch eine große Rolle spielt mag ich zu bezweifeln, doch letztendlich entscheidet jedes Theater für sich.
    8. Schlitz zu, Augen zu!
    Durch den Vorhang zu schauen, bevor das Stück anfängt, sollte besser vermieden werden. Denn tut man es doch bringt das Unglück und ruiniert die Premiere. Die logische Erklärung für dieses Gesetzt ist: Schaut man vorher durch einen Schlitz hindurch und sieht die Menschenmenge, wird man möglicherweise nervös und es entstehen schneller und leichter Probleme und Patzer. Also weg vom Schlitz und macht doch lieber Atemübungen, denn das ist auch besser für die Nerven.
    9. Zünde niemals drei Kerzen an!
    Zum einen dient dieses Gesetz als Schutz davor, dass es anfängt zu brennen und alles in Flammen steht. Zum anderen gilt das anzünden von drei Kerzen als schlechtes Omen. Wer am nächsten an der dritten Kerze steht, heiratet in der nächsten Zeit oder stirbt.
    10. In Hut und Mantel.
    Tatsächlich kennen viele Menschen außerhalb des Theaters dieses Gesetz nicht. Doch umso mehr die Leute im Theater. Wenn man nicht gerade böse angeschaut werden möchte, sollte man es lieber vermeiden mit Hut und Mantel über die Bühne zu stapfen. Wir wissen also, dass Privatklamotten Unglück bringen und Schauspieler am liebsten ihre Originalkostüme tragen. Aber wieso speziell der Mantel und der Hut? Zurückzuführen ist das Ganze auf das Mittelalter. Der Hut galt damals als Rangzeichen und vertrat die ganze Person, wenn diese nicht anwesend war. Der Mantel galt als Symbol des Schutzes. Eine weitere Erklärung besagt, dass damals fristlose Kündigungen ausgesprochen wurden. Die Theaterleitung kam mit Hut und Mantel auf die Bühne. Es lässt sich also deutlich erkennen, weshalb Hut und Mantel nicht gerne gesehen werden. Jeder Schauspieler sollte sich also der Provokation bewusst sein, wenn er mit seinem Mantel oder Hut über die Bühne spaziert.

Schon verrückt was sich die Menschen damals so alles gedacht haben. Da stellt man sich mal vor, man geht nichtsahnend über die Bühne und trinkt dabei, weil man nun einmal Durst hat. Also in der Haut will ich nicht stecken. Stellt euch mal vor ihr hättet damals als rothaariger leben müssen. Na Prost Mahlzeit da hätten wir wohl nicht so lange leben dürfen wie heute. Es hat sich so einiges getan mit der Zeit und mit Sicherheit habt ihr auch schon mitbekommen, dass viele der Regeln und Gesetze heute schon gar nicht mehr so ernst genommen werden und verfallen sind. So inszenieren die Regisseure und Autoren ihr Stück mittlerweile selbst und auch die rothaarigen Menschen dürfen natürlich sitzen wie sie wollen. Jedes Theaterhaus und vor allem jeder Schauspieler und Darsteller muss natürlich für sich selbst entscheiden. Glauben oder eher nicht glauben, dass ist eine Sache des Prinzips. Aber halt, jetzt hätte ich doch glatt die allerwichtigste Regel im Theater vergessen. Die will ich euch natürlich nicht vorenthalten.

Last but not least: das wichtigste und vermutlich bedeutendste Gesetz
Eine der wohl bekanntesten Gesetze des Theaters ist „das Schottische Stück“, des englischen Dramatikers, William Shakespeare. Innerhalb eines Theaters ist es absolut verboten den Namen „Macbeth“ zu nennen oder es generell im Zusammenhang mit dem Theater zu erwähnen. Ansonsten beschwört man die drei Hexen aus dem Stück und somit auch großes Unheil. Es gibt mehrere mögliche Ursachen für diesen Aberglauben. Die eine Möglichkeit ist es, wie im Mittelalter, an Hexerei zu glauben. Man erzählt sich, dass Shakespeare selbst die Worte von einem Hexenkreis erhielt. Dieser Kreis soll nach Erzählungen das Stück gesehen haben und von der Darstellung nicht sehr beeindruckt gewesen sein. Besonders gefährlich wird es, nach den Traditionen, wenn man direkt aus Stellen des Stückes zitiert. Besonders aus der Hexenszene sollte man nicht rezitieren. In dem Stück beschwören die Hexen in der ersten Szene das Unglück und diese Flüche erweisen sich als sehr wirksam und eintreffend. Doch was ist dran an dieser Geschichte? Sogar im Fernsehen wird dieses Gesetz und der Aberglaube, in der bekannten Serie “Die Simpsons” parodiert. Die Familie besucht London und trifft dort auf Sir Ian McKellen und “Macbeth”. In dieser Folge passiert jedes Mal, wenn man den Namen “Macbeth” sagt, etwas Schlimmes mit McKellen. Schaut man sich die Jahrhunderte der Produktion dieses Stückes an, häufen sich die Berichte und Ereignisse über unglückliche Vorfälle. In Amsterdam beispielsweise wurde der der Requisitendolch mit einem richtigen verwechselt und dem Publikum wurde somit eine schockierend realistische Sterbeszene geboten. Am Old Vic wurde Macbeth-Darsteller Laurence Olivier beinahe von einem herabfallenden Gewicht erschlagen und die Theaterleiterin Lilian Baylis verschied einen Tag vor der Premiere. Natürlich kann man sagen, dass diese Vorfälle reiner Zufall sind z.B. bedingt durch die zahlreichen Kampfszenen. Denn damals hatten die Darsteller kein besonderes Fechttraining und spielten die Actionszenen ohne jegliche Erfahrung. Dadurch barg gerade dieses Stück ein besonders hohes Verletzungsrisiko für die Schauspieler. Es lässt sich als darüber streiten. Viele haben aber weiter den Respekt und glauben an das unnatürliche. Letzten Endes muss sich jeder selbst eine Meinung dazu bilden und wissen was für ihn richtig ist.

Natürlich gibt es noch zahlreiche andere Gesetze, Rituale, Vorsichtsmaßnahmen und Dinge, an die man sich halten sollte. Das Gebiet ist breit gefächert und es lohnt sich tiefer in die Materie einzudringen. Was sollte man bei Kostümen beachten und wieso sollte man sich nicht viel Glück wünschen? Das sind nur zwei von vielen Fragen, die man durch einen Einblick bei lesen ins Thema beantworten kann. Ich kann euch nur empfehlen, wenn euch dieser Beitrag gefallen hat und ihr mehr wissen wollt, in Büchern und im Internet mehr dazu zu recherchieren. Das Theater hat eine lange Tradition und hat etwas sehr mystisches und geheimnisvolles an sich, dass nur darauf wartet, entlüftet zu werden. Entscheidet für euch selbst ob ihr diesen Regeln Glauben schenkt oder sie für Humbug haltet. Wissenschaftlich sind diese Mythen und Rituale nicht erwiesen, aber eine Garantie für ihre nicht Existenz gibt es auch nicht. Ein Mix aus beiden Denkansätzen ist vermutlich nicht verkehrt. Wenn ihr also das nächste Mal im Theater seid, achtet doch mal auf Kleinigkeiten und schaut welche dieser Gesetze tatsächlich verwendet und befolgt werden. Bis dahin macht kein Theater und wir sehen uns demnächst.