Katrin Brack

Katrin Brack

Bühnenbildnerin der Gegenwart

von Carla Schültken

Meine Räume denken nicht darüber nach, ob sie Kunst sind

– Katrin Brack

Katrin Brack ist eine deutsche Bühnen- und Kostümbildnerin der Gegenwart. An der Kunstakademie Düsseldorf studierte sie Bühnenbild, seitdem hat sie im deutschsprachigen Raum für fast alle bekannten Bühnen gearbeitet. Seit 2009 unterrichtet sie als Professorin für Bühnenbild an der Akademie der Bildenden Künste in München.

Brack füllt Räume mit Materialien, in denen die Schauspieler später ihr Stück aufführen und die Menschen mit Poesie umhüllen. Ihre Arbeiten sind minimalistisch und suchen meist eine Referenz zur Bildenden Kunst. Die Mittel und Materialien ihrer Arbeit sind reduziert, die Wirkung groß und vielfältig, die Menge der Materialien gigantisch. Zurecht wird sie auch als eine „Maximale Minimalistin“ bezeichnet.

Die Arbeiten von Prof. Katrin Brack sind reduziert, thematisieren das Abwesende und sind gerade darin von größter Sinnlichkeit und voller Atmosphäre

– Kunstministerin Angela Dorn

Manchmal sind ihre Bühnenbilder bloß statisch und verändern sich lediglich durch das Licht. Die Art, wie das Bühnenbild von den Schauspielern genutzt wird, entwickelt sich bei den Proben, es wird Mitspieler des Stückes. Die Bühnenbilder brauchen laut Brack Schauspieler und Texte, damit sie zu leben anfangen.

Während sie Überlegungen zu verschiedenen Bühnenbildern sammelt, kommen viele verschiedene Ideen zusammen. Sie sucht Assoziationen zu Begriffen, versucht bestimmten Umständen Materialien zuzuordnen. Anfänglichen Ideen werden Formen gegeben und sie versucht eine materielle Übersetzung für sie zu finden. Das Herstellen einer gewünschten Atmosphäre steht im Fokus ihrer Arbeit.

Bei dem Stück „Kampf des Negers und der Hunde“ von Bernard-Marie Koltès, welches auf einer französischen Baustelle in Afrika spielt, hat sie beispielsweise Afrika mit Mückenschwärmen assoziiert, die sie dann versuchte auf der Bühne durch das Konfetti darzustellen. Für sie bleibt das Konfetti während der Vorstellung reines Konfetti – die Zuschauer geben hingegen dem Material eine Bedeutung. Das gleiche geschieht bei dem von ihr oftmals eingesetzten Schnee, der eigentlich aus weißen Plastikschnipseln besteht. Der Zuschauer entwickelt in seinem Kopf dazu eine eigene Raumvorstellung. In einem Projekt von Luk Perceval, ein belgischer Theaterregisseur, wehten fast vier Stunden lang Schneeflocken auf die Bühne herab, bei der Bühnenadaption Dimiter Gotscheffs zu dem Stück „Das Große Fressen“ wurde die Bühne mit Schaum bedeckt.

Künstlich oder insziniert ist eigentlich alles, was auf der Bühne passiert

– Katrin Brack

BŸühnenbild „Tartuffe“ Thalia Theater / Foto © Wofgang Schreiner

Eingesetzt werden in ihren Bühnenbildern häufig Naturgewalten wie Wind, Regen oder Schnee, auch Luftballons, Konfetti und Lichterketten sind häufig auf der von ihr gestalteten Bühne zu finden. All diese Dinge wurden im Theater bereits erprobt aber lediglich als Effekt eingesetzt worden, durch ihre alleinige Einsetzung jedoch ist es kein Effekt mehr der entsteht, sondern eine große Bedeutung. Das Bühnenbild ist meist lebendig, nicht statisch. Die Räume, die dabei entstehen, könnten sogar als lebendige Skulpturen bezeichnet werden.
Die durch Katrin Brack hergestellten Räume sind eine Herausforderung für die Schauspieler. Sie müssen spontan agieren. Den kalten Schaum ertrugen sie nur durch Neoprenanzügen unter ihren Kostümen, der eingesetzte Nebel verursachte vielen Augenentzündungen. Scheinwerfer waren so heiß, dass sie kaum zu ertragen waren.

Brack erhielt zahlreiche Auszeichnungen für ihre Bühnenbilder und wurde mehrfach zur Bühnenbildnerin des Jahres gewählt. 2019 erhielt sie den Hein-Heckroth-Bühnenbildpreis, der seit 2003 alle zwei Jahre verliehen wird. Zum zweiten Mal ging er an eine Frau, an Katrin Brack.